Hintergrund


In den letzten Jahrzehnten hat sich unser Leben sehr geändert. Neue technische Entwicklungen und gesellschaftliche Anforderungen und der damit einhergehende wirtschaftliche Wandel prägen den Alltag. Das Leben ist weitgehend mediatisiert und findet in geschlossenen Räumen statt. Während Kinder früher ihre Erfahrungen unmittelbar in der Natur machten, lernen moderne Kinder eher aus zweiter Hand durch Filme, Computerspiele usw. Die Pflanzen und Tiere in ihrer Umgebung, aber auch die Gebäude und Besonderseiten ihrer Heimatstadt kennen viele nur ungenau oder gar nicht. Dies gilt oft sogar für Erwachsene.

Viele Menschen gehen täglich durch ihre Stadt, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Meist wird nur der wirtschaftliche oder soziale Aspekt genutzt, indem konsumiert wird oder Menschen getroffen werden. Wer sich die Zeit nimmt, in einem Cafe oder Restaurant zu verweilen und dabei auch einmal umherblickt, wird sehen, wie viel Schönes eine Stadt bieten kann. Wer darüber hinaus einmal nur durch die Stadt geht, um sie kennen zu lernen und dabei auch durch die Seitengassen und die Grünanlagen geht und an einzelnen Häusern oder Plätzen stehen bleibt, wird viel entdecken.

In jeder Stadt lohnt sich ein Betrachten und Verweilen. Die Häuser, Kirchen, Türme, Brunnen und Plätze sowie Kunstwerke bieten viele spannende Anlaufpunkte. Aber auch das rege Treiben von Autos im Kreisverkehr, von Bussen und Menschen lässt Vieles entdecken, soweit man sich die Zeit dafür nimmt.

Der bekannte Mathematiker Ian Stewart behauptete einmal, dass alles von einem mathematischen Geist umgeben sei. Und das stimmt. Viele Gegenstände unseres Alltags wurden mit Hilfe von Mathematik entwickelt, zum Beispiel das Handy, der Computer, der Strichcode beim Einkaufen und Vieles mehr. Mathematik ist stets und überall im Hintergrund und hilfreich, wenn es darum geht, Fragen zu beantworten, Dinge zu untersuchen, zu beschreiben oder zu erklären. Nur oft wissen wir es gar nicht.

Mit dem mathematischen Weg durch meine Stadt wird nun beides gleichzeitig angeregt: das Kennenlernen der Stadt und das Erfahren von Mathematik und ihrer Bedeutung in angewandten Situationen. Bei einem Spaziergang durch die Stadt werden verschiedene Orte und Sehenswürdigkeiten angelaufen und genauer betrachtet. An jeder Station regen mathematische Aufgaben oder Probleme zum Nachdenken und zu einer genaueren Beschäftigung mit dem Ort an. Man entdeckt zum Beispiel geometrische Körper und erfährt, dass die Höhe des Turms, die Wassermenge des Brunnens oder die Wahrscheinlichkeit dafür, den passenden Bus zu erreichen, einfach mit unseren mathematischen Kenntnissen herausgefunden werden kann. An einigen Stationen findet man eine Antwort sehr schnell, an anderen muss man sich etwas mehr Zeit nehmen – aber es lohnt sich.

Viel Spaß auf dem mathematischen Rundgang!

Prof. Dr. Astrid Beckmann,
Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd,
im Jahr der Mathematik 2008